Autorin

„Hatschepsut. Die schwarze Löwin“ – mehr als ein neuer Ägyptenroman!

Als ich mich dazu entschieden habe, der Pharaonin Hatschepsut einen zweiteiligen Roman zu widmen, hatte ich dabei zwei Dinge im Auge.
Erstens wollte ich dem Genre „Ägyptenroman“ und den Lesern etwas Neues geben, etwas Authentisches im Erzählstil, das die meisten Ägyptenromane vermissen lassen.
Auf die Idee hierzu brachten mich die teilweise sprachlich hochwertig geschriebenen Mittelalterromane einiger Autoren, welche schon im Erzählstil den Zeitgeist ihrer Epoche widerspiegeln und dadurch ein sehr atmosphärisch dichtes Leseerlebnis ermöglichen.
Leider bin ich je kaum auf sprachlich annähernd authentische bzw. atmosphärische Romane im Bereich Antike und vor allem im „Ägyptenroman“ gestoßen.





Im Gegenteil zu der sprachlichen Finesse, welche der Mittelalterroman stellenweise entwickelt, bedienen sich die Autoren von Ägyptenromanen gerne ägyptologischer Begriffe und einer modernen Sprache, welche vielleicht aus heutiger ägyptologischer Sicht stimmig sind – doch sicherlich hat kein alter Ägypter diese Begriffe benutzt oder die Gedankenwelt eines Menschen unserer Zeit gehabt. Und gerade aus Liedern, Korrespondenzen und Texten des Totenkultes sowie überlieferten Traumdeutungen liegt uns ein sehr umfangreiches Bild der Gedanken- und Gefühlswelt des Alten Ägypten vor.
Bisher ist dieses bis auf wenige Ausnahmen leider so gut wie nicht von Romanautoren des Genres bedacht worden.

Gerade ein Historischer Roman soll dem Leser jedoch einen authentischen aber auch emotional stimmigen Einblick in die jeweilige Epoche bieten. Meines Erachtens reicht es nicht, sich trockene Zahlen und Daten anzulesen – man muss die Epoche auch verstehen und dramaturgisch wiedergeben können. Dies unterscheidet den Romanautor vom Sachbuchautor.


Ein alter Ägypter der von „Kiosken“ spricht (ein heutiger ägyptologischer Begriff, der eine Bauform bezeichnet), ein altägyptischer Soldat, der „OK“ sagt und etwas „unter die Lupe“ nehmen will (im alten Ägypten gab es kein Glas – nur Objekte aus Glasfluss – geschweige denn geschliffene Sehhilfen) – lässt mich als Leser keinen glaubhaften Bezug zu Land, Zeit und Menschen des Alten Ägypten aufbauen.
Hier habe ich angesetzt und sowohl der feinen Palastsprache eine zeitgemäße Ausdrucksform verliehen, wie auch dem derben einfachen Soldaten.


Haben die Menschen in meinem Roman z. B. „Gedanken des Herzens“ so ist dies absolut authentisch, denn der Kopf hatte für die alten Ägypter als Sitz von Gedanken und Gefühlen keine Bedeutung. Im Alten Ägypten war das Herz der Sitz aller Gedanken und Gefühle.
Erst wenn man diese Dinge – Gedanken und Gefühle, Aberglauben und Ängste, Religiosität und Sinnstreben des Alten Ägyptens verstanden und verinnerlicht hat – erst dann kann man m. E. auch einen authentischen Ägyptenroman schreiben, und erst dann kann man ernsthaft anfangen, Erklärungsversuche für politisches Handeln, Denken und die Thronbesteigung einer „Hatschepsut“ zu konstruieren.




Und damit wäre ich bei meiner zweiten Intention, einen neuen Roman über Hatschepsut zu schreiben.

Ihre Krönung zum Pharao – oftmals von Autoren entweder oberflächlich mit ihrem überlieferten Krönungsbericht oder einfach ihrem starken Charakter bzw. der Unterstützung ihres Vaters Thutmosis I. erklärt – muss weitaus tiefere Gründe gehabt haben.
Denn der Krönungsbericht ist vor allem als Propaganda zu verstehen, wie sie jeder Pharao aus Legitimationsgründen betrieben hat (so geht auch Hatschepsuts Krönungsbericht auf einen viel älteren Text zurück) und aus dem tiefen Verständnis heraus, wie gefährlich für den Alten Ägypter eine Abweichung von Traditionen war, ist es oberflächlich gesehen unerklärlich, wie Hatschepsut relativ ungestört zur Pharaonenkrone greifen konnte.
Denn jede Abweichung von der „Maat“ (Weltordnung) konnte das Land ins Urchaos zurückstürzen.

Nun gab es mit Hatschepsuts Neffen Thtumosis III. bereits einen legitimen, gekrönten Pharao.
Es gibt im Grunde genommen keine logische Erklärung für Hatschepsuts Thronbesteigung, jedoch aus altägyptischer Sicht tausend gute und nötige Gründe, sie zu verhindern.
Trotzdem scheint Hatschepsut nicht auf allzu große Gegenwehr gestoßen zu sein.

Nun – der erste Teil „Hatschepsut. Die schwarze Löwin“ versucht sich genau dieser Frage des Warum und Wie zu stellen – und zwar aus psychologisch altägyptischer Sicht.
Wie hat diese Frau ... Hatschepsut ... es geschafft, die Traditionen so auszulegen, dass ihr Umfeld ihre Thronbesteigung als weiblicher Pharao akzeptierte. Ich spreche hier bewusst nicht davon, dass sie Traditionen gebrochen hat, denn das hat Hatschepsut aus ihrer Sicht nicht getan – hätte sie es getan, hätte sie wohl mit weitaus größerer Gegenwehr rechnen müssen und nicht erst mit der Auslöschung ihrer Bildnisse fast 20 Jahre nach ihrem vermeintlichen Tod. Und trotzdem stellt die konsequente Auslöschung ihrer Namenskartuschen und Bildnisse klar, wie stark der Alte Ägypter im Endeffekt seinen Traditionen und Weltvorstellungen verbunden war.

„Hatschepsut. Die schwarze Löwin“ und „Hatschepsut. Der goldene Falke“ sollen auch dem nicht ägyptologisch vorbelasteten Leser einen emotionalen Einblick und Verständnis ins Alte Ägypten bieten, wie es die Romane anderer Epochen bereits ermöglichen.

Hierzu möchte ich einen lieben befreundeten Ägyptologen zitieren, der jüngst auf dem Ägyptologentag meine Lesung aus „Hatschepsut. Die schwarze Löwin“ kommentierte:

„Wir Ägyptologen vergessen über den vielen Fundstücken und Fragmenten manchmal, dass die Alten Ägypter auch gelebt haben.“
Und hier möchte ich als Autorin ansetzen – neben der Recherche von Tatsachen dem Alten Ägypten einen Herzschlag, Gefühle, Gedanken, Ängste, Hoffnungen, eine Seele ... eine Sprache und Tonart ... verleihen.
Ich hoffe, dass dies mir gelungen ist, und wünsche allen Lesern eine schöne und hoffentlich bereichernde Lesezeit im Alten Ägypten der Hatschepsut.


Ihre Birgit Fiolka


(Hatschepsut. Die schwarze Löwin ist erhältlich über Beam-Ebooks als PDF und EPUB über Ciando als EPUB sowie über Amazon Kindle als Mobipocket)

Der 2. Teil "Hatschepsut. Der goldene Falke" erscheint 2012.
Für weitere Infos bitte die Direktverlinkungen zu den Büchern auf der Homepage anklicken!